Lipödem Behandlung Liposuktion
2018-12-03

Lipödem bei Frauen - Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Dr. Schulz - Hautarzt in Rottweil

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Dr. med. Thomas Schulz

Hautarzt in Rottweil

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Experten-Interview mit Dr. med. Thomas Schulz zu dem Thema "Lipödem"

Herr Dr. med. Thomas Schulz ist Facharzt für Dermatologie und hat sich in eigener Praxis in Rottweil auf hautärztliche und ästhetische Dermatologie spezialisiert. Neben den klassischen Hauterkrankungen behandelt der langjährige Experte auch Frauen, die unter einer krankhaften Vermehrung von Fettzellen leiden - dem sogenannten Lipödem.

Das Lipödem ist kein rein kosmetisches Problem. Viele Frauen, die unter dieser Erkrankung leiden, haben an Schmerzen in den Beinen und die Zunahme des Beinumfangs trotz Sport und Diät, schränkt die Lebensqualität deutlich ein.

Herr Dr. Schulz gilt als erfahrener Spezialist auf dem Gebiet der Lipödem-Therapie. Im Interview mit uns hat er sich den wichtigsten Fragen zu diesem Thema gestellt.

Herr Dr. Schulz, können Sie uns zunächst einmal erklären, was man unter einem Lipödem versteht? Welche Symptome gehen typischerweise mit einem Lipödem einher?

Unter einem Lipödem versteht man eine Erkrankung - und nicht - wie viele denken, eine alimentär bedingte Zunahme des Fettgewebes. Von der chronisch fortschreitenden Erkrankung sind in der Regel ausschließlich Frauen betroffen. Ein Lipödem zeichnet sich dadurch aus, dass es zwischen dem Rumpf und den Extremitäten zu deutlichen Unterschieden in der Verteilung des Körperfetts kommt. Dabei ist der Stamm relativ schlank und die Beine sind deutlich umfangreicher. Oft sind zusätzlich die Arme betroffen.

Durch welche Umstände wird so ein Lipödem hervorgerufen? Welche Ursachen hat die Erkrankung?

Die Ursachen des Lipödems sind nicht genau bekannt. Die größte Rolle spielt sicherlich die Genetik, hormonelle Ursachen kommen ebenfalls in Frage. Der Beginn des Lipödems fällt oft in die Pubertät. Eine Diagnose in diesem Stadium ist aber meist schwer, da die Veränderungen noch nicht sehr auffällig sind.  Es kommt zu einer umschriebenen, symmetrisch lokalisierten Unterhautfettgewebsvermehrung. Dabei nimmt sowohl die Anzahl als auch die Größe der Fettzellen zu. Zusätzlich kommt es an den Körperstellen, die von einem Lipödem betroffen sind, zu Wasseransammlungen, die den Effekt verstärken.

Wie unterscheidet sich das Lipödem von der sogenannten Elephantiasis?

Unter einer Elephantiasis versteht man die Maximalavariante eines Lipödems. Hier kommt es über die Jahre hinweg zu teilweise grotesk anmutenden  Wucherungen von Fettgewebe vor allem im Bereich der Beine, die Arme können ebenfalls betroffen sein. Man spricht auch von „Säulenbeinen“, die deutlich umfangsvermehrt, wie Säulen, imponieren. Umfangsunterschiede zwischen Oberschenkel und Waden sind kaum mehr vorhanden. Ohne eine operative Therapie kann es zu Entzündungen vor allem an den Unterschenkeln und zu "offenen Beinen" kommen. Die Lebensqualität der Patienten ist durch die immense Fettgewebsvermehrung sehr stark eingeschränkt.

Kann man eine Elephantiasis denn dann überhaupt noch gut behandeln, wenn die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten ist?

Ja. Generell lässt sich sagen, dass man jedes Stadium des Lipödems oder der Elephantiasis behandeln kann. Jeder Patient profitiert von der operativen Therapie (Liposuktion) auch wenn sich schon ein sekundäres Lymphödem entwickelt hat.

Dann ist aber das Lymphödem auch praktisch immer eine Folgeerscheinung der Nichtbehandlung eines Lipödems?

Häufig ja. Ein Lymphödem resultiert oft als Zweiterkrankung aus einem Lipödem welches über die Jahre nicht behandelt wurde, kann aber auch andere Ursachen haben. Wurde z.B. ein Lipödem nicht ausreichend abgesaugt, kann ein sekundäres Lymphödem entstehen. Ebenso nach Entfernung von Lymphknoten bei einer Krebserkrankung, z.B. Brustkrebs, wo es durch Verlegung und Abflussbehinderung der Lymphe zu Lymphödemen der Arme kommen kann. Das Lymphödem kann auch die Folge einer bakteriellen Entzündung der Haut und des Fettgewebes sein z.B. nach einer sogenannten "Wundrose", einer bakteriellen Infektion im Bereich des Fettgewebes.

Wie kann man sich generell den Krankheitsverlauf beim Lipödem vorstellen?

Der Krankheitsverlauf ist chronisch progredient, d.h. ohne operative Behandlung verschlechtert sich das Krankheitsbild immer weiter. Das kann bis zum beschriebenen "Säulenbein" führen. Charakteristische Symptome sind gesteigerte Druckempfindlichkeit, Schmerzhaftigkeit im Bereich der Extremitäten und eine teigige Schwellung, die direkt oberhalb der Fußknöchel beginnt. Die Fußrücken bleiben ausgespart. Bereits gering ausgeübter Druck auf Beine oder Arme kann von den Patientinnen als schmerzhaft wahrgenommen werden.

Bei Männern kommt das Lipödem also so gut wie gar nicht vor, richtig?

Es lässt sich tatsächlich feststellen, dass das Lipödem bei Männern so gut wie gar nicht vorkommt. Basierend auf meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich in über 20 Jahren noch nie einen Mann aufgrund eines Lipödems behandelt habe.

Und woran liegt das?

Das weibliche Östrogen scheint eine Hauptrolle zu spielen, neben der genetisch bedingten Veranlagung. Das heißt, dass zum Großteil Frauen betroffen sind und Männer nur dann, wenn diese an einer Störung des Hormonhaushalts, mit Überproduktion von Östrogenen, leiden.

Im Anfangsstadium eines Lipödems sind zumeist nur die Oberschenkel und manchmal auch die Hüften betroffen, im späteren Verlauf kommen dann oftmals auch die Arme und die Unterschenkel hinzu. An welchen weiteren Anzeichen "orientieren" Sie sich bei der Diagnose?

Bei der Diagnose eines Lipödems ist darauf zu achten, dass die Erkrankung leicht mit einer einfachen Fettansammlung verwechselt wird, die nicht krankhaft ist. Da eine scharfe Trennung der Diagnosen Lipödem und „Lipohypertrohie“ (Fettgewebsvermehrung) für den Laien schwer möglich ist, muss der Arzt den Patienten sorgfältig untersuchen und einen genauen Befund erheben. Ein diagnostisches Kriterium können die vorhin beschriebenen Symptome sein.

Das Lipödem stellt eine zwingend behandlungsbedürftige Erkrankung dar, die bei Nichtbehandlung immer weiter voranschreitet. Welche konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten stehen Ihren Patientinnen zur Verfügung?

Lipödem mit Liposuktion behandelnZu den konservativen Behandlungsmethoden gehört die manuelle oder apparative Lymphdrainage. Die Patientin sucht dafür einen Physiotherapeuten auf, der den Lymphabfluss im Bereich der betroffenen Areale mittels einer speziellen Massage-Technik anregt.Zusätzlich ist eine Kompressionstherapie mit speziellen Kompressionsstrumpfhosen sinnvoll. Diese sollten dauerhaft  tagsüber getragen werden. Die Wirkung der konservativen Behandlungsmethoden erschöpft sich in der Besserung der Beschwerden, die Erkrankung selbst schreitet jedoch trotz dieser Maßnahmen weiter voran.

Wie hilfreich sind Sport und eine gesunde Ernährung bei einer Lipödemerkrankung?

Durch Sport und gesunde Ernährung kann ein Lipödem leider nicht aufgehalten und auch nicht behandelt werden. Betroffene Frauen stellen oft fest, dass sie trotz einer gesunden Lebensführung weiterhin zunehmen, obwohl sie sowohl Sport treiben als auch auf eine gesunde und kalorienarme Ernährung achten. 

Besteht die Möglichkeit, das Lipödem allein mit Medikamenten zu behandeln?

Eine rein medikamentöse Behandlung des Lipödems ist nicht möglich, da es hierfür keine Medikamente gibt. Der Arzt kann dem Patienten sogenannte „Diuretika“ verschreiben, die dabei helfen sollen, die Wassereinlagerungen zu minimieren. Dabei wird jedoch weder die Ursache der Erkrankung bekämpft, noch eine langfristige Besserung erzielt.

Häufig liest man über die Stadien eins bis drei, manchmal auch über ein viertes Stadium. Können Sie uns hierzu mehr sagen?

Man geht davon aus, dass es sogar fünf Stadien gibt, in die sich der Verlauf eines Lipödems unterteilen lässt. Da diese Unterteilung jedoch nicht sehr pragmatisch ist, gehe ich von einer Unterteilung in drei Stadien aus.

Im ersten Stadium ist die Hautoberfläche noch glatt und zeigt durch den sogenannten „Pinch-Test“ eine Orangenhauttextur. Dabei greift man am Oberschenkel Haut und Fettgewebe und übt etwas Druck auf die betroffenen Stellen aus. Das Fettgewebe unter der Haut fühlt sich etwas verdickt an. Es sind keine Knoten tastbar, der Knöchelbereich ist bereits etwas geschwollen.

Im zweiten Stadium lässt sich schon eine grobknotige Hautoberfläche feststellen. Auch das Unterhautfettgewebe ist weiter verdickt.

Das dritte Stadium ist eine weitere Ausprägung in Richtung des Säulenbeins. Hier lassen sich grob deformierte Fettlappen sowie stark verdicktes und verhärtetes Unterhautgewebe erkennen und tasten. Bei sehr starker Ausprägung sind zudem Fettwülste zu erkennen, die über die Fußknöchel gehen, wobei  im Bereich der Fußrücken keine Veränderung zu erkennen ist.

Und ab welchem Stadium kommen Ihre Patientinnen zu Ihnen?

Die Patientinnen kommen in allen Stadien zu mir. Die Stadien II und III sind etwas häufiger, da dann ja auch der Leidensdruck der Frauen zunimmt.

Wie alt sind denn die Frauen, die in der Regel zu Ihnen kommen?

Mit der Diagnose Lipödem kommen Frauen aller Altersklassen. Die jüngsten Patientinnen sind etwa Mitte zwanzig, die älteren bis weit über 50 Jahre alt. Viele Patientinnen leiden bereits in jungen Jahren unter den Vorzeichen eines Lipödems, ziehen aber erst nach vielen Jahren eine Behandlung in Erwägung. Das hängt auch davon ab, wie schnell die Verschlechterung voran schreitet und ob die Diagnose überhaupt gestellt wird.

Wird das Lipödem durch die Einnahme der Pille begünstigt?

Die Einnahme der Pille hat keinen direkten Einfluss auf die Entstehung eines Lipödems. Frauen, die die Pille nehmen, neigen eher zu Wassereinlagerungen. Jedoch besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Wassereinlagerung und Ausprägung eines Lipödems. Wenn keine genetischen Voraussetzungen für die Ausbildung eines Lipödems bestehen, wird die Pille alleine auch kein Lipödem verursachen.

Kam es denn schon vor, dass Patienten bei Ihnen waren, die zuvor mehrere Jahre lang Fehldiagnosen erhalten haben?

Es kam schon öfters vor, dass eine Patientin sich beispielsweise über Jahre hinweg auf eine Ernährungsumstellung konzentriert hat, obwohl das nicht die Ursache ihrer Beschwerden und auch nicht die Ursache für Ihre Gewichtszunahme war. Es kommt oft vor, dass Betroffene ihr Krankheitsbild über einen langen Zeitraum hinweg falsch einschätzen, die richtige Diagnose vom Arzt nicht gestellt wird und die Patienten deshalb keine geeignete Behandlung erfahren.

Ist es richtig, dass die Bauchregion nur sehr selten von einem Lipödem betroffen ist?

Das ist richtig. Die Hüft- und Bauchregion sind so gut wie nie von einem Lipödem betroffenen. Es gibt natürlich auch Übergänge zwischen einer genetisch bedingten Fettgewebsansammlung, die nicht krankhaft ausgebildet ist, und einem Lipödem. Daher kann ein Lipödem oder eine Lipödem-ähnliche Erscheinung auch an diesen Körperstellen nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Kommen wir nun zu den Behandlungsmöglichkeiten. In Ihrer Praxis haben Sie sich auf die Behandlung des Lipödems mittels Liposuktion spezialisiert. Wie kann man sich die Liposuktion vorstellen? Wie läuft das erste Beratungsgespräch ab?

Das Beratungsgespräch dauert in der Regel eine Stunde. In dieser Zeit ermittle ich die Situation der Patientin, sie schildert mir ihre Beschwerden und ich führe anschließend eine körperliche Untersuchung durch. Die Diagnose eines Lipödems ist eine klinische, d.h. der Arzt braucht Erfahrung, um die korrekte Diagnose stellen zu können. Dann gehe ich auf die Liposuktion ein und erkläre den genauen Ablauf dieser Operation.

Angenommen, die Patientin entscheidet sich für eine Fettabsaugung in Ihrer Praxis - wie läuft der Eingriff ab?

Die Patientin kommt zu uns in die Praxis und wir machen vorab Fotos, um später den „vorher-Zustand“ mit dem „nachher-Zustand“ vergleichen zu können. Nach den Fotos zeichne ich die Bereiche  ein, an denen abgesaugt werden soll. Dabei geht es meistens um die Beine, also um die Ober- und Unterschenkel. In der Regel benötigt man zur Absaugung der Beine 3 Operations-Termine in 4-6 wöchigen Abständen. Die Beine können nicht in einer Operation abgesaugt werden, da dies zu einem Absacken des Hautmantels führen würde und damit zu kosmetischen Problemen.

Ist eine Vollnarkose notwendig?

Eine Vollnarkose ist bei dieser Behandlung nicht notwendig und sogar kontraproduktiv, weil eine Vollnarkose die Muskelspannung zu stark reduziert, diese aber für ein gutes kosmetisches Ergebnis sehr hilfreich ist. Deshalb greifen wir in unserer Praxis auf den sogenannten „Dämmerschlaf“ zurück. Der Dämmerschlaf ist eine Narkose, bei welcher der Patient schläft, keine Schmerzen verspürt, selbständig atmet und nach Beendigung der Operation keinerlei Erinnerung mehr an den Eingriff hat. Für uns liegt der Vorteil darin, dass der Patient während der Behandlung kurzfristig erweckt werden kann um sich selbständig  in die Positionen zu drehen, die für eine perfekte Absaugung wesentlich sind.

Wie kann man sich die Fettabsaugung vorstellen?

Bei der Fettabsaugung wird eine hoch verdünnte Betäubungslösung mittels einer speziellen Pumpe in das Fettgewebe injiziert. Die Fettzellen saugen sich mit der Betäubungslösung voll und erst dann lassen sie sich absaugen. Dieser Behandlungsschritt kann, je nach Größe des Areals zwischen 60 und 90 Minuten dauern. Bei der Fettabsaugung nutzen wir kleine, nur ca. drei Millimeter breite Schnitte, die als Närbchen später kaum mehr auffallen. Die Absaugung ist vibrationsgestützt, das heißt, die Absaug-Kanüle vibriert, damit die Bindegewebsfasern welche im Fett liegen und in denen Lymph-und Blutgefäße laufen, nicht angesaugt und mechanisch verletzt werden.

Welche Vorteile bietet die vibrationsgestützte Liposuktion gegenüber anderen Behandlungsverfahren?

Die vibrationsgestützte Liposuktion ist deutlich schonender als andere Verfahren. Es kommt seltener zu Verletzungen, die Heilung verläuft schneller und das kosmetische Ergebnis ist besser.

Welche Rolle spielt die Absaugtechnik? Warum darf nur längs und nicht quer abgesaugt werden?

Wird quer zur Körperachse abgesaugt, kann das zu Dellen-und Rillenbildungen im Fettgewebe führen, was kosmetisch sehr unschön ist. Außerdem können die feinen Lymphgefäße verletzt werden, die immer längs zur Körperachse verlaufen. Die Folge wäre ein Stau der Lymphflüssigkeit mit Schwellungen und Entzündungen. Schlimmstenfalls kann ein sekundäres Lymphöden entstehen.

Wie viel Fett können Sie pro Sitzung absaugen?

Man geht davon aus, dass pro Sitzung nicht mehr als fünf Kilogramm Fett abgesaugt werden sollten. Das hängt nicht nur mit der Menge an Fett selbst zusammen, sondern auch mit der Menge an Betäubungslösung, die injiziert wird. Diese Lösung ist hochverdünnt und bezogen auf einen Kilogramm Körpergewicht darf eben nur eine bestimmte Menge dieser Anästhesie-Lösung zugeführt werden. Diese Menge zu überschreiten kann gefährlich sein. Es ist also sinnvoll und notwendig, die Behandlung bei größeren abzusaugenden Bereichen in mehrere Einzelsitzungen aufzuteilen.

Können Sie uns ungefähr sagen, mit wie vielen Sitzungen eine Patientin rechnen sollte und welche Abstände zwischen den einzelnen Behandlungen liegen sollten?

Wie viel Fett abzusaugen ist, kann vorher meist nur schwierig definiert werden und erschließt sich erst vollständig während der Operation. Werden große Areale, wie etwa die Beine, d.h. Ober-und Unterschenkel behandelt, sollte die Patientin mit etwa drei Sitzungen rechnen. Bei kleineren Behandlungsgebieten, beispielsweise den Armen, kann eine Sitzung ausreichen. Zwischen den Sitzungen sollten Abstände von etwa vier bis sechs Wochen liegen. Es ist wichtig, dass dieser Zeitraum eingehalten wird, damit die Patientin sich von dem vorangegangenen Eingriff erholen kann.

Können verschiedene Körperareale bei der Fettabsaugung kombiniert werden?

Im Prinzip lassen sich mehrere Körperregionen in einer Sitzung behandeln, solange die maximal mögliche Menge an Anästhesie-Lösung nicht überschritten wird. 4 bis 6-wöchige Pausen zwischen den einzelnen Sitzungen sollten eingehalten werden.

Wie sollte sich die Patientin nach der OP im Bestfall verhalten, damit das Ergebnis so lange wie möglich anhält?

Wichtig ist das Tragen der Kompressionsstrümpfe-bzw. des Kompressionsmieders für mindestens drei Wochen. Die Patientin sollte nach der Operation auf ihre Lebensweise achten und große Gewichtsschwankungen nach oben oder unten vermeiden. Kontrollen nach der OP finden eine Woche, 4 Wochen und 3 Monate nach der Liposuktion statt. Hier kann ich dann das Ergebnis begutachten und gegebenenfalls weitere Tipps geben, um das Ergebnis beständig zu halten.

Was versteht man unter einem Kompressionsmieder und welche Funktion hat er nach der Fettabsaugung?

Unter einem Kompressionsmieder versteht man im Fall einer Fettabsaugung im Bereich der Beine, eine Kompressions-Strumpfhose, die von den Füßen bis zur Hüfte reicht. Das Mieder sollte nach der Behandlung mindestens drei Wochen getragen werden, da die Abheilung der geschaffenen „inneren Wunde“ Zeit braucht. Nach einer Lipödem-Fettabsaugung ist es empfehlenswert, das Mieder eher etwas länger als 3 Wochen zu tragen. Das Kompressionsmieder trägt dazu bei, den behandelten Bereich zu stabilisieren und die Regeneration des Gewebes zu beschleunigen.

Nach welcher Zeit ist das endgültige Ergebnis sichtbar?

Das endgültige Ergebnis ist meiner Erfahrung nach erst nach einem Jahr erreicht, sichtbar jedoch schon nach 4 Wochen. Das Ergebnis verbessert sich im Verlauf eines Jahres noch deutlich.

Ein Punkt, der wahrscheinlich alle Patientinnen interessieren dürfte: Bleiben nach der Fettabsaugung sichtbare Narben zurück?

Es gibt keine äußeren und inneren Narben. Die Methode der vibrationsgestützten Fettabsaugung schont das Gewebe in höchstem Maß. Endoskopische Untersuchungen belegen diese Tatsache. Die kleinen äußeren Narben sind nur ca. 3 mm lang und nach wenigen Monaten kaum mehr zu sehen.

Schlägt die Liposuktion wirklich bei jeder Patientin an?

Die Liposuktion ist die einzige Methode, bei welcher der Therapeut garantieren kann, dass eine Verbesserung eintritt. Die Fettabsaugung ist die einzige Methode, um ein Lipödem effektiv und nachhaltig zu beseitigen.

Muss die OP denn zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederholt werden, oder reichen in der Regel diese drei Sitzungen aus?

In der Regel muss die Operation nicht wiederholt werden. Fett, das abgesaugt wurde, kann nicht erneut in diesem Ausmaß entstehen. Achtet die Patientin zusätzlich auf gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, kann das Lipödem in seinem Voranschreiten aufgehalten werden.

Welche Vorteile hat eine vibrationsgestützte Fettabsaugung?

Bei Techniken, die sich nicht auf die Vibration stützen, wird deutlich mehr Gewebe verletzt und es entstehen leere Räume im Gewebe, was wiederum zu Narbenbildungen führen kann.

Wie hoch sind die Kosten für einen Sitzung bei der Liposuktion?

In meiner Praxis kostet die Fettabsaugung ca. 5.000 Euro pro Sitzung. Der Aufwand ist erheblich, eine Sitzung dauert jeweils vier bis fünf Stunden. Wie viele Sitzungen insgesamt notwendig sind, ist natürlich vom Ausmaß des Befundes abhängig. Generell beinhalten die Kosten neben der Leistung des Arztes, alle Medikamente, sämtliche Vor-und Kontrolluntersuchungen und nicht zuletzt auch die Mehrwertsteuer von derzeit 19%.

Wird die Liposuktion von der Krankenkasse übernommen? Oder ist das eine reine Privatleistung?

Obwohl die Fettabsaugung die einzige Methode ist, mit der man ein Lipödem letztendlich ursächlich behandeln kann, wird diese Leistung nicht von den Kassen übernommen. Die Krankenkasse übernimmt lediglich konservative Maßnahmen zur Behandlung, also Lymphdrainagen, Kompressionstherapie und gegebenenfalls stationäre Aufenthalte mit ausschließlich konservativer Behandlung.

Wie hilfreich sind alternative Behandlungsmöglichkeiten? Wie stehen Sie beispielsweise zu Cremes gegen Lipödem oder Cellulite?

Cremes, die angeblich gegen Lipödem oder Cellulite wirken sollen, sind sämtlich unwirksam. Das Lipödem lässt sich, genauso wie Cellulite, nicht durch Cremes behandeln. Wirksam, wenn auch nur kurz, sind Lymphdrainagen. Darunter versteht man spezielle Massagen beim Physiotherapeuten, die dazu beitragen den Lymphstau in den Lymphgefässen zu beseitigen und so einem schnellen Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken.

Haben Sie Tipps bei der Arztwahl? Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach z.B. die Erfahrung des behandelnden Arztes bei der Behandlung? Worauf sollten Betroffenen hierbei unbedingt achten?

Die Erfahrung des behandelnden Arztes spielt meiner Meinung nach eine sehr große Rolle. Für Patienten ist jedoch nur schwer nachvollziehbar, welcher Arzt tatsächlich Erfahrung hat, da jeder approbierte Arzt eine Fettabsaugung in seiner Praxis durchführen darf. Bei der Arztwahl sollten die Patienten darauf achten, dass sie sich an einen Arzt wenden, der die Methode der vibrationsgestützten achsengerechten Fettabsaugung seit Jahren anwendet. Es ist wie so oft Vertrauenssache, welcher Arzt schlussendlich konsultiert wird. Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und seien Sie wachsam im Beratungsgespräch. Die Aufklärung sollte realistisch, einfühlsam und wirklichkeitsnah sein. Vorher/Nachher Bilder von behandelten Patienten sollten dazu gehören.