Experteninterviews
2023-06-07

Nasenkorrektur ohne OP: Möglichkeiten, Risiken, Haltbarkeit

Nasenkorrektur ohne OP: minimalinvasive Korrektur mit Hyaluronsäure

Immer mehr Menschen entscheiden sich heutzutage für eine Optimierung der äußeren Nasenform mittels Hyaluron. Die Alternative zur operativen Nasenkorrektur bietet die Möglichkeit, störende ästhetische Merkmale an der Nase ohne die Risiken einer Operation korrigieren lassen zu können. Doch welche Nasenformen können mittels Hyaluron-Injektion behandelt werden, welche Grenzen gibt es und welche Risiken bestehen bei der Nasenkorrektur ohne OP?

Der Facharzt für HNO, Kopf-, Hals-und Gesichtschirurgie und Experte für Nasenkorrekturen Dr. med. Christian Jacobi beantwortet uns diese und weitere häufig gestellte Fragen in unserem Interview.

Herr Dr. Jacobi, für wen ist die Nasenkorrektur ohne OP geeignet?

Die Nasenkorrektur ohne OP, d.h. in aller Regel mit Hyaluronsäurefillern, kann in gut ausgewählten Fällen eine effektive Behandlungsalternative zur operativen Korrektur sein. Ob es im individuellen Fall den Behandlungswunsch des Patienten wirklich erfüllen kann, sollte mit dem Patienten unbedingt bereits im Vorfeld ausführlich analysiert werden. Dies kann in aller Regel gut simuliert werden, da bei dieser Behandlungsmethode die Nasenform lediglich durch eine gezielte Volumengabe modelliert werden kann. Im Vergleich dazu sind operative Verkleinerungen und Verschmälerungen der 3-dimensionalen Nasenspitze schwieriger zu simulieren.

Mit der sog. „Injektionsrhinoplastik“ kann die unterspritzte Nase im Gesamteindruck des Gesichts und Profils tatsächlich kleiner und unauffälliger erscheinen, in dem von einzelnen Untereinheiten gezielt abgelenkt wird oder auch Unebenheiten kaschiert werden - wir nennen das Camouflage. Obwohl gerade beim Ausgleichen eines Nasenhöckers die Nase absolut gesehen in jedem Fall an Volumen gewinnt, kann sie sich dennoch harmonisch ins Gesicht einfügen. Dies kann auch durch gezielte weitere Behandlungen, zum Beispiel durch eine Augmentation des Kinns und der Wangenpartie, unterstützt werden, um ästhetische Proportionen einzuhalten.

Welche Grenzen gibt es bei der Unterspritzung der Nase?

Insgesamt sind für mich die wirklich sinnvollen Indikationen für eine Unterspritzung der Nase sehr sorgfältig zu wählen. Es ist entscheidend im Vorfeld jeder Behandlung zu verstehen, welche Veränderung genau der Patient möchte. Diesbezüglich verdient der Patient eine genaue Beratung und Analyse, ob dies überhaupt mit einer Injektion technisch möglich ist oder ob auch eine ästhetische Grenze überschritten wird.

Aus ästhetischer Sicht sehe ich oft Ergebnisse, die eine ohnehin schon große Nase im Profil nach der Injektion zwar gerader – also meist ohne Höcker erscheinen lassen, aber nicht mehr den natürlichen Proportionen entsprechen. Steht beispielsweise die Nasenwurzel selbst schon vergleichsweise hoch, werden schnell unnatürliche Ergebnisse erzielt, als käme quasi der Nasenrücken direkt aus der Stirn heraus. In der plastischen Gesichtschirurgie orientieren wir uns anhand bestimmter Winkelmaße, um möglichst ästhetische Proportionen einzuhalten. Dies sollte auch bei Unterspritzungen berücksichtigt werden, weshalb ich meine Patienten immer auch über die operative Alternative aufkläre.

Die Anhebung der Nasenspitze im Sinne einer Rotation weist aus meiner Sicht dahingehend Grenzen auf, da in dieser Region viel Bewegung beim Lachen und in der Mimik entstehen kann. Steht die Nase ohnehin schon vermehrt unter Spannung sind längerfristige Ergebnisse unwahrscheinlich. Gleichzeitig werden Risiken durch Gefäßkomplikationen unnötig erkauft und der Filler verteilt sich eher seitlich im Weichgewebe quasi entlang des geringsten Widerstands anstatt den gewünschte „Stups“ zu erzielen. Dann formt sich die Nasenspitze schnell plumper anstatt graziler. Dies wird oft unterschätzt und der Patient sollte darüber im Vorfeld aufgeklärt werden.

Schiefnasen, Spannungsnasen, Breitnasen und Nasenspitzendeformitäten können nur sehr selten sinnvoll durch Injektionen behandelt werden.

Für mich wichtig bei der Einschätzung dieser Grenzen und damit des Behandlungserfolgs ist auch die Erfahrung aus der Nasenchirurgie, insbesondere was die Hautspannung, die Hautbeschaffenheit sowie die Durchblutungssituation anbelangt.

Viele Unterspritzungen mögen vielleicht für das unmittelbare Vorher-Nachher-Bild vielversprechend aussehen, zentral ist doch die Frage wie lange der Effekt hält und welche Risiken bestehen, damit der Patient eine gute Entscheidung treffen kann.

Welche Risiken bestehen denn bei einer Nasenkorrektur mit Hyaluronsäure?

Die Unterspritzung der Nase sollte aufgrund der komplexen Gefäßversorgung und der speziellen Anatomie mitsamt der unterschiedlichen Gewebebeschaffenheit in den einzelnen Untereinheiten der Nase nur mit höchster Präzision und Sorgfalt durchgeführt werden. Fundierte Kenntnisse über die Techniken und vor allem über die Risiken wie auch Komplikationsmanagement müssen höchste Priorität haben. Dabei geht es aus meiner Sicht nicht nur um direkte Gefäßkomplikationen, sondern auch um die Vermeidung von zu viel Gewebedruck mit folgender Minderdurchblutung. Gerade bei voroperierten Nasen muss dies unbedingt berücksichtigt werden. Nicht umsonst wird eine Unterspritzung bei voroperierten Nasen von vielen erfahrenen Ärzten abgelehnt.

Können Sie in etwa sagen, wie lange eine Nasenkorrektur ohne OP dauert?

Die eigentliche Behandlung dauert je nach Unterspritzungstechnik in etwa 15 Minuten. Wichtig ist die ausführliche Beratung des individuellen Behandlungswunsches und die Planung. Es gibt auch Indikationen, die bereits im Vorfeld auf zwei Unterspritzungen angesetzt werden (sollten), um die Risiken für den Patienten maximal gering zu halten. Für mich gehört auch immer dazu, dass der Patient aufgeklärt bekommt, welche ästhetischen oder gar funktionellen Ziele man auch operativ verwirklichen könnte.

Da die Nase bei einer Korrektur mit Hyaluron lediglich durch gezielte Zugabe von Volumen modelliert wird, können höchstwahrscheinlich nicht alle störenden Merkmale korrigiert werden. Welche Fehlstellungen würden Sie sagen, kann man mittels Hyaluron-Injektion optimieren?

Klassische Indikation sind verhältnismäßig zu kleine Nasen mit einem sogenannten Pseudohöcker, die nach der Unterspritzung, d.h. Volumengabe ober- und unterhalb des Höckers, immer noch nicht zu groß wirken. Auch isoliert tiefstehende Nasenwurzeln wie auch Sattelnasen können gezielt unterspritzt werden und führen zu sehr natürlichen Ergebnissen. In beiden Fällen ist die Abwägung zur operativen Alternative sehr spannend: während hier die Injektion vergleichsweise schnell und mit weniger Risikoprofil angeboten werden kann, ist eine Operation mit körpereigenem Knorpel zur Anhebung dieser Regionen technisch sehr aufwändig und anspruchsvoll. Zudem ist über der Nasenwurzel die Haut recht locker und wenig mimischer Bewegung ausgesetzt, so dass verhältnismäßig längere Ergebnisse zu erwarten sind. Neben der Geradestellung des Nasenrückens im Seitenprofil kann auch die Nasenspitze gezielt, aber zurückhaltend definiert und vergrößert werden. Hier müssen aus meiner Sicht aber einige Voraussetzungen des Gewebes, der Statik der Nase sowie der Gesichtsmimik erfüllt sein. Auch der sogenannte nasolabiale Winkel, also der Übergang des Nasenstegs zur Oberlippe - wenn dieser spitz oder zurückgezogen ist - eignet sich in bestimmten Fällen für eine Volumenzugabe, die das Profil weicher und harmonischer erscheinen lassen.

Kleine Unebenheiten nach Voroperationen oder Achsfehlstellungen der Nase sind noch komplexer und sollten nur in Ausnahmefällen und nach eingehender Beratung korrigiert oder angeglichen werden.

Wenn man nun eine Nasenkorrektur mit Hyaluron durchführen lässt, mit welcher Haltbarkeit des erzielten Ergebnisses kann man ungefähr rechnen?

Das ist tatsächlich sehr individuell und von ganz vielen Faktoren abhängig. Wie ist die Ausganssituation, wieviel Elastizität bietet der Weichteilmantel über der jeweiligen Untereinheit der Nase, welchen Filler verwende ich, etc.. Erfahrungsgemäß kann dies aber für den speziellen Fall in etwa abgeschätzt werden. Im Bereich der Nasenwurzel und Nasenrückenbereich, wo die Haut locker ist und wenig Mimik ist, hält der Filler z.T. länger als ein Jahr. Teilweise habe ich bei operativen Nasenkorrekturen aber auch schon Filler entdeckt, die sich über mehrere Jahre offensichtlich nicht resorbiert haben.

Im Nasenspitzenbereich muss jeder Fall ganz individuell betrachtet werden. Je nachdem wie sich die Nasenspitze z.B. beim Lachen bewegt, wie viel Spannung im Vorfeld besteht, wie hoch die Nasenscheidewand steht usw. kann das Ergebnis nach wenigen Wochen bereits wieder verschwunden sein.

Welche Materialien verwenden Sie bei der Nasenkorrektur ohne OP?

In aller Regel verwende ich Hyaluronsäuren mit hoher Elastizität und sog. Kohäsivität, um ein Maximum an Ortsständigkeit und Hebekraft zu erreichen. In Kombination mit einer speziellen Injektionstechnik wird dabei das Risiko deutlich reduziert, dass der Filler in die Umgebung massiert wird, was zu ungewünschten Resultaten führen kann. Wichtig ist aus meiner Sicht zu verstehen, dass es sich nie um ein Stück feste Knetmasse handelt, mit der beliebig die Form der Nase konturiert werden kann, sondern dass es sich bei den Fillern um mehr oder weniger visköse und elastische Materialien handelt, die sich ganz gezielt in das Gewebe integrieren müssen, um stabil zu bleiben.